CI-Rehabilitationszentrum

Allgemein

Die ambulante CI-Rehabilitation im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg steht allen Cochlea Implant-Betroffenen offen. Die Abrechnung erfolgt direkt mit der jeweiligen Krankenkasse.

Die Rehabilitation besteht aus folgenden Therapieelementen:

  • Audiologie
  • HNO-ärztliche Betreuung
  • Berufliche Beratung/Sozialdienst
  • Psychologische Behandlung
  • Hörgeräteberatung
  • CI- Stammtisch
  • Logopädie

Zudem können folgende weitere Therapieleistungen notwendig sein:

  • Entspannungsübungen
  • Tinnitustherapie
  • Schwindeltherapie
  • Ergotherapie
  • Physiotherapie

Ziel der Rehabilitation ist es, gemeinsam mit unseren Patientinnen und Patienten einen bestmöglichen individuellen Hörerfolg mit dem Cochlea Implantat zu erreichen. Unsere Patientinnen und Patienten sollen ihr Cochlea Implantat für sich optimal nutzen können, die lautsprachliche Kommunikationsfähigkeit verbessern und somit eine gesellschaftlich, soziale und berufliche (Re-) Integration sowie eine Erhöhung der individuellen Lebensqualität erreichen. Psychische Belastungen durch die Hörschädigung möchten wir vorbeugen oder verringern.

Audiologie und Hörtherapie bilden die Hauptbestandteile der CI- Rehabilitation und agieren im Wechselspiel. Zuvor werden unsere Patientinnen und Patienten vom HNO-Arzt ausführlich untersucht. Weitere Therapieinhalte (s.o.) werden nach Bedarf im Rahmen der ganzheitlichen Rehabilitation ergänzt.

Der Beginn für die ambulante Rehabilitation liegt in der Regel 5 Wochen nach Implantation des Cochlea Implants.

Die Hörrehabilitation wird in eine Basis- und eine Folgetherapie unterteilt. In der Basistherapie werden die Weichen für eine erfolgreiche Funktion des CI gestellt. Sie umfasst die audiologische Erstanpassung und das Erlernen der grundlegenden Handhabung des Geräts. Die sich anschließende Folgetherapie vertieft die Hörtherapie und geht noch mehr auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Patienten ein. Sie nimmt dabei den Großteil des Rehabilitationszeitraumes in Anspruch.

Grundsätzlich stehen unseren CI-Trägern für die Rehabilitation bis zu 20 Rehabilitationstage in den ersten zwei Jahren nach der Cochlea-Implantation zur Verfügung. Die tatsächlich benötigte Anzahl der Rehabilitationstage und die tatsächliche Länge der Rehabilitationszeit ist abhängig von Ihren individuellen Erfordernissen (wie z.B. Dauer der Ertaubung, Qualität der Hörgeräteversorgung vor Implantation, geistig-kognitive Fähigkeiten, Motivation und Kooperationsbereitschaft). Diese Voraussetzungen beeinflussen den Rehaprozeß und Ihre Hörentwicklung und können daher stark variieren. Viele unserer CI-Träger schöpfen die 20 Rehabilitationstage nicht aus, einige CI-Träger benötigen auch darüberhinaus hörtherapeutische Betreuung, um zu einem guten Hörerfolg zu gelangen.

Die umfassende audiologische Betreuung erfolgt in Sitzungen zu je 45 Minuten. Für die Erstanpassungssitzung werden 90 Minuten benötigt.

Sie umfasst den Einsatz aller technischen Möglichkeiten und Parameter der Signalverarbeitung im Sprachprozessor, die die Implantatfirmen in immer wieder aktualisierter Version entwickeln und zur Verfügung stellen. Mithilfe einer guten Zusammenarbeit mit dem CI-Träger, der dem Audiologen Rückmeldung zu seinem subjektiven Hörempfinden gibt, wird die Hör- und Sprachwahrnehmung mit dem Cochlea-Implantat individuell verfeinert, um Tonhöhen und Tonstärken immer differenzierter wahrnehmen zu können. Dieser stufenförmig aufgebaute kleinschrittige Programmierungsprozess soll zu einem größtmöglichen Sprachverstehen verbunden mit einer möglichst angenehm-natürlichen Klangwahrnehmung führen.

Die Hörtherapie erfolgt zunächst ausschließlich in Einzeltherapiesitzungen von jeweils 45 Minuten. Angehörige können auf Wunsch des CI- Patienten gerne an den Einzeltherapien teilnehmen. Im späteren Verlauf (Folgetherapie) der Rehabilitation kommen Gruppenhörtrainingseinheiten von jeweils 90 Minuten hinzu. Im Rahmen des Hörtrainings wird die auditive Sprachverarbeitung der neuen künstlichen Stimulation durch das CI gefördert, in dem durch gezielte Sprachhörübungen neurale Verbindungen (Synapsen) entstehen und unsere CI-Patienten die Sprache im Laufe dieses Adaptionsprozesses differenzierter, klarer und vertrauter wahrnehmen. Ebenso werden Geräuschverarbeitung und Musikhören mithilfe von gezielten Übungen trainiert.

Die methodische Durchführung der Hörtherapie wird nicht in einer immer gleichen Reihenfolge erbracht, vielmehr wird jede Therapieeinheit individuell für den einzelnen Patienten konzipiert. Die Auswahl der Übungen ist auf das audiologische Fitting abgestimmt und orientiert sich an dem aktuellen Hörstatus des Patienten, seinen Interessen, Bedürfnissen, seinem Lerntempo und seinem tagesformabhängigem Befinden. Ziel ist es, den Patienten zu fordern und zu fördern, aber weder zu überfordern noch zu unterfordern, um eine größtmögliche Motivation und damit einen größtmöglichen Lernerfolg zu erreichen.

Zu einer ganzheitlichen Hörtherapie gehört ebenso die pädagogische Betreuung und die psychisch-soziale Betreuung der CI-Träger. Gemeinsam mit den Patienten werden sowohl in den Einzeltherapien wie auch in den Gruppensitzungen Probleme aus dem sozialen Alltag thematisiert und individuelle Bewältigungsstrategien bei psychisch belastenden Hörerlebnissen entwickelt. Es werden außerdem im Rahmen der sogenannten Verhaltens- oder Hörtaktik individuelle Kommunikationsstrategien für den CI-Träger erarbeitet, um das Verstehen insbesondere in schwierigen Hörsituationen zu verbessern. Innerhalb des Rehaprozesses werden einer möglichen nachlassenden Motivation und Lernkrisen mit pädagogischen Konzepten entgegengewirkt.

 

Zusätzliches Reha-Angebot je nach individuellem Bedarf

Der Bedarf wird durch die Hörtherapeutin, Audiologin oder dem HNO-Arzt ermittelt. Die Koordination der Termine werden von der HNO-Ambulanz (Reha-Koordinatorin) mit den entsprechenden Funktionsstellen vereinbart.

  • Entspannungsübungen
  • Tinnitustherapie
  • Ergotherapie bei Patienten mit Schwindelsymptomatik
  • Logopädie
  • Mundabsehen / Lippenlesen bei geringem Hörerfolg durch das CI
  • berufliche Beratung
  • psychologische Behandlung
  • Hörgeräteberatung

 

Reha-Abschluss

Am Ende der CI-Rehabilitation erfolgt eine umfassende audiometrische Testung des psycho-akustischen Hörvermögens (Sprachaudiometrie im Freifeld) und eine audiologische Überprüfung der einwandfreien Funktion des Implantates und des Sprachprozessors. Die Hörtherapie schließt mit einer subjektiven Hörerfolgsmessung (Auswertung eines Fragebogens an den CI-Träger) und einem Abschlussgespräch ab, in dem der erreichte individuelle Hörerfolg, auch mit der Evaluation/Überprüfung der Erwartungen zu Beginn der Reha zusammengefasst werden und der Patient über die lebenslange Nachsorge informiert wird. Nach einer letzten medizinischen Abschlussuntersuchung wird der Patient aus der Rehabilitation entlassen. Das Reha-Team erstellt einen Abschlussbericht, in dem zum einen der Rehaverlauf aus audiologischer und pädagogischer Perspektive, alle zusätzlichen Behandlungselemente und deren Verlauf dargestellt werden und zum anderen alle durchgeführten medizinischen und audiometrischen Diagnostikergebnisse dokumentiert sind.

Die CI- Rehabilitation im Hörzentrum des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg erfolgt in der Regel im Rahmen eines ambulanten Konzeptes. Im Folgenden sollen nochmal die Vorteile der ambulanten Rehabilitation gegenüber der stationären Rehabilitation dargestellt werden:

  • CI-Träger bleiben in gewohnter Umgebung
  • positive und negative Hörerlebnisse finden nicht in einer künstlichen, sondern in der realen Lebenswelt des CI-Trägers statt und können während der Reha aufgegriffen werden
  • Einbeziehung der Lebenspartner /Familie
  • Einbeziehung des beruflichen Umfeldes
  • Erlerntes kann sofort in alltäglichen Situationen umgesetzt werden
  • Flexible Termingestaltung
  • Begleitung des CI – Trägers durch dieselben Therapeuten über einen bis zu zweijährigen Zeitraum
  • Enge Zusammenarbeit des multidisziplinären Reha-Teams über einen bis zu zweijährigen Zeitraum

In einigen Ausnahmefällen bietet das Bundeswehrkrankenhaus einen mehrtägigen stationären Reha-Aufenthalt an. Gründe dafür sind:

  • Wohnortentfernung (Norddeutschland)
  • Eingeschränkte Mobilität des Patienten

 

Phase 3 Lebenslange Nachsorge

Die sich anschließende lebenslange Nachsorge umfasst in der Regel jährliche HNO-ärztliche Untersuchungen, sprachaudiometrische Tests und audiologische Kontrollen zur Überprüfung des Implantats und des Sprachprozessors. Sollten bei dem Patienten außerhalb dieser jährlichen Kontrollen audiologische oder medizinische Probleme auftreten, kann sich der Patient in der HNO-Ambulanz jederzeit kurzfristig vorstellen. Darüberhinaus wird der Patient technisch beraten, auch über eventuelle technische Erneuerungen.

Ziel der lebenslangen Nachsorge ist eine dauerhafte lebenslange Stabilisierung und Optimierung der lautsprachlichen Kommunikationsfähigkeit mit dem Cochlea Implantat.