Forschung

Das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg ist akademisches Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf (UKE). Dementsprechend pflegen wir neben der Lehre auch in der Forschung eine enge Kooperation. Ebenso kooperieren wir in der Forschung mit dem Institut für Radiobiologie der Bundeswehr in München und weiteren zivilen Kliniken.

Das Bundeswehrkrankenhaus ist durch OSA Dr. Ruf in der deutschen Hodentumorstudiengruppe vertreten und nimmt an multizentrischen Studien teil.

Hier finden Sie einen kurzen Überblick über aktuelle Forschungsvorhaben unserer Abteilung:

Die Teilnahme an den genannten Studien ist für alle Patienten freiwillig möglich. Natürlich erfolgt die Therapie der meisten Patienten außerhalb von Studien.

Alle Studien unterliegen hohen Ansprüchen in Bezug auf die Patientensicherheit. So sind die Ansprechpartner/Studienleiter besonders ausgebildet. Das Wissen der „Guten wissenschaftlichen Praxis“ wurde von den Studienleitern im Rahmen von externen Kursen und Prüfungen angeeignet und nachgewiesen. Die Patientensicherheit wurde für alle Studien durch die Ethikkommission der Ärztekammer Hamburg geprüft und durch ein positives Votum bestätigt.

Register zur Primärtherapie bei „Poor Risk“ Patienten mit metastasiertem Keimzelltumor

Bei fortgeschrittenen Tumorstadien wird diskutiert, dass eine höher dosierte Chemotherapie, eine sogenannte „Hochdosischemotherapie“, die Aussicht auf Heilung bei Patienten mit weit fortgeschrittener Erkrankung möglicherweise verbessern kann. Es gilt jedoch abzuwägen, dass eine höher dosierte Chemotherapie auch mit häufigeren oder schwereren Nebenwirkungen verbunden sein kann als eine konventionell dosierte Chemotherapie.

Trotz langjährigem Einsatz der Hochdosischemotherapie ist für Patienten mit sehr hohem Risiko noch immer nicht endgültig geklärt, inwieweit eine Hochdosistherapie zu einer langfristigen Erhöhung der Überlebenswahrscheinlichkeit führt. Hierzu müssen Erfahrungen an einer großen Zahl an Patienten gesammelt werden.

Dieses Register will deshalb die Ausgangsdaten, den Therapieverlauf, die Verträglichkeit, den Therapieerfolg und die Überlebenszeit von Patienten erfassen, die bei primär weit fortgeschrittener Erkrankung entweder eine normal dosierte oder eine Hochdosischemotherapie erhalten haben, mit dem Ziel, Unterschiede in Effektivität und Verträglichkeit der verschiedenen Konzepte besser vergleichen und zukünftig Patienten besser abgesicherte Therapieempfehlungen geben zu können.

Diagnostik des Metastasierungsstatus anhand der Genexpression im testikulären Primärtumor

Die Computertomographie (CT) gilt als Goldstandard in der Bestimmung des Metastasierungsstatus beim Hodentumor. Metastasen werden als Raumforderung erkannt. Mikrometastasen in Lymphknoten können, bei fehlender Größenzunahme, bildgebend nicht von nicht metastasierten Stadien unterschieden werden. Etwa 30 % der Patienten im nicht metastasierten Stadium weisen eine Mikrometastasierung auf. Ein Erkennen der Mikrometastasen ist bis zum heutigen Tag nicht möglich. Ziel ist es, den Metastasierungsstatus nicht nur durch die Computertomographie erkennen zu müssen, sondern zusätzlich ein Genexpressionsmuster als ergänzende Diagnostik zu bestätigen. Dazu wird an so genanntem Überschussmaterial (ein geringer Teil des Tumor- und Normalgewebes, das im Rahmen der Operation entfernt wird) die Expression bestimmter Gene gemessen, um eine Assoziation von Genexpression und Metastasierung darzustellen.

Das Projekt wird vom Bundesministerium der Verteidigung finanziell unterstützt.

Zirkulierende Tumorzellen beim Hodentumor

Wie bereits bei anderen Tumorentitäten (z.B. Urothel-, Prostata-Karzinom) geschehen, ist das Ziel, die Existenz von im peripheren Blut zirkulierenden Tumorzellen bei malignen Keimzelltumoren zu zeigen. Dies wird in einem doppelten Ansatz auf Protein- wie Genexpressionsebene untersucht werden. Zum einen soll geprüft werden, ob Keimzellen mittels geeigneter Oberflächenproteine aus dem peripheren Blut isoliert werden können und ob in einem zweiten Schritt zwischen malignen und benignen Keimzellen unterschieden werden kann. Zum anderen soll durch den Nachweis von mRNA im peripheren Blut die Existenz von zirkulierenden Tumorzellen auf Genexpressionsebene nachgewiesen werden.

Die aktuelle, standardisierte Diagnostik des Hodentumors bietet keine Hinweise auf eine sog. Mikrometastasierung bzw. okkulten Metastasierung. Daher stellt die Frage nach einer Assoziation zwischen Protein-/Genexpressionsveränderungen und dem Metastasierungsstatus.

Promotionen

Als akademisches Lehrkrankenhaus vergibt und betreut die urologische Abteilung des Bundeswehrkrankenhauses regelmäßig Doktorarbeiten, die in Kooperation mit der urologischen Abteilung des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf (UKE) zumeist von Studenten des UKE durchgeführt werden.

Seit 2013 beendet:

NSR – Studie: Nationale Seminom Registerstudie

Die Nationale Seminom Registerstudie dient der Erfassung und strukturierten Nachsorge bei Seminomen im klinischen Stadium I. Die Studie nimmt keinen Einfluss auf die möglichen Therapieentscheidungen, sondern erfasst diese lediglich. Dokumentiert werden zusätzlich die Ergebnisse der Nachsorgen, welche die Patienten wie gewohnt bei ihrem niedergelassenen Urologen durchführen können. Das bringt für die Patienten eine erhöhte Sicherheit, da sie anhand des Nachsorgeheftes immer sehen können, wann die nächste Nachsorge ansteht. Das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg hat bisher die meisten Patienten in diese Studie eingeschlossen (Stand 01/2012).

Randomisierte Phase III – Studie:

1 Zyklus BEP (Bleomycin, Etoposid, Cisplatin) im Vergleich zu 2 Zyklen BEP bei Patienten mit einem nicht seminomatösen Hodentumor im klinischen Stadium I ( „high risk“ ) AUO-Studie:AH 10-04

Ziel dieser Studie ist es, herauszufinden, ob bei nichtseminomatösen Hodentumoren im klinischen Stadium I mit Gefäßinvasion ein Zyklus BEP ausreicht, um ebenfalls die hohe Heilungsrate von zwei Zyklen BEP zu gewährleisten. Sollte sich dieses bestätigen, dann wird man zukünftig nur noch einen Zyklus BEP als Standardtherapie ansehen. Damit wäre eine Heilung von der Tumorerkrankung bei weniger Nebenwirkungen möglich.

Alle Patienten in dieser Studie müssen einen nicht seminomatösen Hodentumor im klinischen Stadium I (ohne Metastasennachweis in der Computertomographie) mit „vaskulärer Invasion“ haben. Diese Studie wird als randomisierte Phase - III Studie bezeichnet, weil die Patienten zufällig einem der beiden Studienzweige zugeteilt werden. Sie bekommen entweder 1 x BEP oder 2 x BEP. Offene Randomisierung bedeutet, dass ein zentraler Computer die Zuteilung zu einem der beiden Zweige festlegt. Der behandelnde Arzt hat keinen Einfluss auf die Zuteilung.