26. Norddeutsche Gefäßtage

Oberfeldarzt Dr. Hinck vom Bundeswehrkrankenhaus Hamburg begrüßte die Anwesenden

Zum 26. Mal wurden die Norddeutschen Gefäßtage vom 28.-29.02.2020 in Hamburg durchgeführt. Unter dem Titel „Operation Gefäß – Im Spannungsbogen von Trauma und Gerontologie“ lag der vom Kongressvorsitzenden Oberfeldarzt Dr. Daniel Hinck und seinem Team aus dem Bundeswehrkrankenhaus Hamburg, gewählte diesjährige gefäßchirurgische Schwerpunkt auf der Versorgung von Gefäßverletzungen. Veranstaltungsort war die in der nicht nur architektonisch ansprechenden Hafencity gelegene Kühne Logistics University. Den Stellenwert des gewählten Schwerpunkts und die allgemeine Wahrnehmung zeigte die Teilnahme von zahlreichen Behördenvertreter*innen der Hansestadt Hamburg. Neben dem Innenstaatsrat Bernd Krösser sprachen der Vizepolizeipräsident der Hansestadt Hamburg Morten Struve, als Vertreter der Feuerwehr Godo Savinsky, als Vertreter des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg Admiralarzt Dr. Knut Reuter und der Klinikdirektor der Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf Prof. Dr. Karl-Heinz Frosch Grußworte im Rahmen der feierlichen Eröffnung.

Vor einer großen Anzahl von Teilnehmern wurde zu Themen der Gefäßtraumatologie und Gefäßerkrankungen vorgetragen

In der sich anschließenden Sitzung wurden die Kongressteilnehmer*innen über die aktuellen Konzeptionen von Behörden und Rettungsdienst in Vorträgen, die nach den aktuellen Ereignissen von Hanau und der derzeitigen Coronavirus-Lage mehr denn je in den Fokus der Bevölkerung rücken, umfassend informiert. Schwerpunkt waren die Versorgungskonzepte der Behörden im Großschadensfall und bei Katastrophen sowie die präklinische Versorgung durch Polizei und Feuerwehr. Vielleicht für den Kliniker bislang nicht so präsent und fassbar, konnten die Referierenden von Behörde, Polizei und Feuerwehr diesen zeigen, welche immense Planung und Logistik in der Katastrophen- und Terrorvorsorge notwendig sind, um beizeiten auf den Tag X vorbereitet zu sein.

Die Vorträge von Vertretern von Behörde, Polizei und Feuerwehr zeigten die immensen konzeptionellen Anstrengungen und die Notwendigkeit zum schnittstellenüberreifenden Üben der Verfahren

War die Sitzung zu der „Lebensbedrohlichen Einsatzlage“ mehr auf Konzeptionen zur Gefahrenabwehr und Management ausgerichtet, befassten sich die Referierenden in der nächsten Sitzung im Speziellen mit der Versorgung des gefäßtraumatisierten Patienten. Allgemeiner Konsens und wissenschaftlich untermauert, ist die notwendige Verkürzung der Rettungszeit bis zur chirurgischen Versorgung und die Versorgung der Polizei und Rettungsdienste mit Hilfsmitteln, z.B. mit dem Tourniquet und Hämostyptika, um eine weitere Reduktion des Verblutungstodes zu erreichen. Neben der Weiterentwicklung von Hämostyptika und die Resuscitative Endovascular Occlusion of the Aorta (REBOA) stehen in Zeiten der zunehmenden endovaskulären Versorgung von Gefäßerkrankungen Ausbildungskonzepte der offenen Gefäßchirurgie im Fokus.

Die Pausen wurden zum angeregten Gedankenaustausch genutzt

Nachdem der Vormittag ganz im Zeichen der Gefäßtraumatologie stand, war die Sitzung Hämostaseologie gleich der Beginn des Nachmittags eine Wiederholung und Vertiefung des Wissens über Gerinnung und Antikoagulation. Insbesondere die direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) und deren Wirkung standen im Fokus des Interesses. Zukünftig werden diese Mittel einen noch größeren Platz in der Behandlung von Patienten, die unter einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit leiden, einnehmen. Umso wichtiger ist das Wissen um deren Nebenwirkungen und das Management derselben. In der abschließenden Sitzung am ersten Kongresstages referierten stets zwei ausgewiesene Experten zu einem vorgegebenen Thema über die Pros und Cons einer gefäßchirurgischen Behandlungsmöglichkeit. Die evidenzbasierten Vorträge bzgl. der endovaskulären resp. offen-chirurgischen Versorgung von Erkrankungen der Aorta, Carotis und der peripheren Gefäße fassten die aktuellen Daten für das Plenum kurz und prägnant zusammen und ließen keine Wünsche offen.

In zahlreichen Vorträgen, wie z. B. von Flottillenarzt Dr. Bräunig, Facharzt am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg, wurden den Zuhörern aktuelle Daten und wissenschaftliche Evidenz zu unterschiedlichen Themen der Gefäßchirurgie vermittelt

Der zweite Kongresstag am Samstag stand gleich zu Beginn im Zeichen der Versorgungsforschung von Gefäßerkrankung und chronischen Wunden. Neben den aktuellen Zahlen wurden die Zuhörer über neuerliche Entwicklungen in der Versorgung chronischer Wunden informiert. Diese Sitzung war gleichermaßen eine Überleitung zur nachfolgenden Sitzung der Gefäßassistent*innen. Hauptaugenmerk war die Nachsorge von gefäßchirurgischen Erkrankungen in den Händen des gefäßchirurgischen Assistenzpersonals. Durch die zunehmende ärztliche Arbeitszeitverdichtung werden mehr und mehr Tätigkeiten der Patientenbetreuung und Nachsorge in den Verantwortungsbereich der Gefäßassistenten*innen zum Zwecke der Effizienz und Verbesserung der Patientenversorgung übertragen.

In der Schlusssitzung der 26. Norddeutschen Gefäßtage wurde aber nochmals darauf hingewiesen, dass auch die gefäßchirurgischen Patienten eigenverantwortlich und präventiv tätig werden müssen und können. Die Referierenden konnten in ihren Vorträgen eindrucksvoll zeigen, welche positiven Auswirkungen Sport, Ernährung und der Verzicht auf Tabakkonsum nach sich ziehen. Herr Oberfeldarzt Dr. Daniel Hinck zog in seinen Schlussworten, nicht ohne auf die vielen helfenden Hände zu verweisen, eine durchweg positive Bilanz der 26. Norddeutschen Gefäßtage. Getreu dem Motto „Nach dem Kongress ist vor dem Kongress“ lud der Kongresspräsident der 27. Norddeutschen Gefäßtage, Prof. Dr. Andreas Hoene, ins kulturell mehr als einladende Greifswald ein.

Text: Daniel Hinck / Fotos: Bundeswehr, Dittrich