Notfallmedizin für Einsteiger

Viele junge Sanitätsoffiziere erwartet während ihres ersten klinischen Abschnittes im Rahmen der Rotation in den Fachbereich Anästhesie der Einsatz als diensthabender Arzt in einer zentralen interdisziplinären Notaufnahme (ZNA). Auf die vielschichtigen Anforderungen in diesem hochspannenden und interessanten Arbeitsumfeld bereitet der Einsatz im "eigenen" Fachbereich jedoch nur teilweise vor. Dies einerseits und die zunehmende Weiterentwicklung der klinischen Notfallmedizin andererseits, teils mit dem Ruf nach einer Facharztqualifikation, machen neue Ausbildungskonzepte erforderlich. Erst kürzlich forderten die führenden Fachgesellschaften im "Positionspapier für eine Reform der medizinischen Notfallversorgung in deutschen Notaufnahmen" umfangreiche Verbesserungsmaßnahmen.

Um die jungen Kollegen besser auf ihren Einsatz in der ZNA vorzubereiten und somit neben der Zufriedenheit des eingesetzten Personals auch die Patientensicherheit zu erhöhen fand vom 3. bis 7. Juni 2015 am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg auf Initiative von Herrn Oberfeldarzt Raik Schäfer, Leiter ZNA am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg, der erste start-ED-Kurs der Bundeswehr statt.  

Dieses Kursformat richtet sich speziell an Einsteiger in der klinischen Notfallmedizin, vermag aber durchaus auch erfahrenen Kollegen etwas zu bieten. Die vielfältige Darbietung von notfallmedizinischen Themen in Vorlesungen, Seminaren und Workshops spricht mehrere Lernkanäle an und verspricht so einen längerfristigen Kompetenzerhalt. Ein besonderes Augenmerk wird auf ein praxistaugliches und symptomorientiertes Vorgehen gelegt.

Die Vorlesungen widmeten sich neben den Dauerbrennern Dyspnoe, Schwindel, Thorax-, Kopf- Bauch- und Rückenschmerz auch weiteren Themen wie beispielsweise dem Extremitätenschmerz oder der akuten fokalen Neurologie. In den Seminaren setzten sich die Teilnehmer unter anderem mit der Befundung bildgebender und laborchemischer Diagnostik, dem Umgang mit bestimmten Medikamenten sowie ausgewählten Therapiekonzepten auseinander. Während der Workshops, welche durch die Kursteilnehmer individuell gewählt werden konnten, vermittelten erfahrene Notfallmediziner ein breites Spektrum medizinischer Kompetenzen. Hierzu gehörten neben notwendigen fachspezifischen Untersuchungsmethoden auch Technical-Skills wie beispielsweise das Anlegen einer Thoraxdrainage oder der Einsatz der Sonographie zu unterschiedlichen Fragestellungen.  

Alle Kursteilnehmer zeigten sich von diesem Ausbildungskonzept beeindruckt und würden diesen Kurs weiterempfehlen. Die Durchführung des start-ED-Kurses am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg kann somit als voller Erfolg gewertet werden. Es ist wünschenswert allen jungen Sanitätsoffizieren solch einen strukturierten Einstieg in die klinische Notfallmedizin zu ermöglichen.  

Autor: Oberstabsarzt Jan Bräunig