„So weit die Füße tragen“ – oder: 167 Kilometer auf 590 Füßen

Im 60. Jahr des Bestehens der Bundeswehr nahm zum 58. Mal eine offizielle Delegation der Bundeswehr am 4-Tage-Marsch im niederländischen Nimwegen (Nijmegen) teil. Insgesamt galt es 167 Kilometer in vier Tagen mit zehn Kilogramm Marschgepäck und in Marschformation zu bewältigen. – In den Hauptrollen des niederländischen Klassikers die Füße und Gelenke sowie die Muskulatur und Willenskraft von 285 Soldatinnen und Soldaten. An jedem Drehort immer ein Team der Sanität, das sich nahezu rund um die Uhr um die Marschierer kümmerte.

Erfolgreiche Stabsarbeit – 99,3 Prozent der Marschierer ins Ziel gebracht

Nach vier Tagen erreichten 283 von 285 Marschierenden am 24. Juli 2015 das lang ersehnte Ziel, die Medaillenverleihung und den Marsch über die Via Gladiola vorbei an zehntausenden von Fans nach Nijmegen. Die Rahmenbedingungen für den Erfolg von 99,3 Prozent der Delegationsteilnehmer schafften ein Stab aus circa 70 Soldatinnen und Soldaten. Nahezu rund um die Uhr kümmerten sich neben Logistikern und Verpflegern auch 24 hochmotivierte Kameradinnen und Kammeraden aus dem Sanitätsdienst um die Delegationsteilnehmer. Unter Führung der Delegationsärztin Oberstabsarzt Dr. Sandra Dühr aus dem Bundeswehrkrankenhaus Hamburg unterstützten die San-Teams die Marschierer physikalisch und sorgten auch für die nötige mentale Motivation. Dazu standen die San-Teams zum Teil schon ab 01.00 Uhr in der Nacht für Behandlungen und marschspezifische Vorbereitungen parat.

Nijmegen-San-Teams – Camp- und Mobiles-San-Team

Ein zwölfköpfiges Team, das sogenannte Camp-Heumensoord-Team, bestehend aus fünf Physiotherapeuten, zwei Rettungsassistenten, drei Einsatzsanitätern und zwei Ärzten kümmerten sich um geschundene Füße und die Regeneration der Muskulatur. Zudem deckten sie auch die in Anspruch genommene Notfallmedizinische Versorgung wie auch die Truppenärztliche Belange in Camp Heumensoord ab. In Zusammenarbeit mit insgesamt acht Nationen wurde ein internationales Sanitätszentrum im Camp eingerichtet. Hier „pflegten“ die Sanitäter aller Nationen auch einen regen Austausch hinsichtlich der besten Wundbehandlung oder der neuesten manuellen Therapietechnik; aber auch in der Notfallversorgung.

Aufnahme von 4.000 bis 6.000 Kilokalorien pro Marschtag

Das Mobile-San-Team, ebenfalls aus zwölf Soldatinnen und Soldaten bestehend, kümmerte sich in Zusammenarbeit mit einem Verpflegungstrupp und einer Transportkomponente um die Organisation und Versorgung auf insgesamt drei Rastplätzen an jedem Marschtag. Der eingeteilte Rastplatzführer war ein Rettungsassistent, der mit seinem Team autark agierte. Vor Ort kümmerte sich das Mobile-San-Team um sanitätsdienstliche wie auch „kulinarische“ Belange der Marschierer. Denn neben der Versorgung von Blasen, Muskulatur- und Gelenkschmerzen galt es auch sicherzustellen, dass die Marschierer zwischen 4.000 und 6.000 Kilokalorien sowie bis zu 7 Litern Flüssigkeit zu sich nahmen. Eine Marschierer-Pflicht, der zuweilen nur mit Nachdruck des stets freundlichen Rastplatzteams nachgekommen wurde. Zusätzlich erhielt der Rastplatzführer für den Zeitraum der Anwesenheit der Marschgruppen personelle Unterstützung von einem mobilen Arzttrupp, der durch Personal aus dem Campteam gestellt wurde.

Lange Tage und viele Erfahrungen mit marschspezifischen Verletzungen

Ein Arbeitstag während der vier Tage war sehr lang.  Bereits zwei Stunden vor Abmarsch der Delegation begann die erste „Taperunde“ zur Blasenprophylaxe oder Abpolsterung bereits vorhandener Blasen. Während des Marsches begleiteten zwei Arzttrupps die Marschierer an den Rastplätzen zusammen mit den Rastplatzteams vor Ort. Nach neun bis elf Stunden wurden die Marschierer im Camp zurück erwartet. Dann erfolgte eine sorgfältige Wundbehandlung sowie ein Regenerationsprogramm für die Muskeln. Durchschnittlich 70 bis 120 Patienten versorgte das Team im Camp und an den Rastplätzen zu den jeweiligen Behandlungszeiten. Trotz zehrender und  kraftraubenden Arbeit, agierte das Team höchstmotiviert, um alle Marschierer ins Ziel zu bringen. Die Dankbarkeit der Marschierer und deren Eigenmotivation beflügelte das Team so sehr, dass alle Anstrengungen vergessen schienen.

Füße – zerfetzt; Scalpelle – gewetzt; Von München nach Kiel – Alle ans Ziel!

Der eigens vom Nijmegen-San-Team ins Leben gerufener Schlachtruf:  Füße – zerfetzt; Scalpelle – gewetzt; Von München nach Kiel – Alle ans Ziel! spiegelt die Identifikation der Nijmegen-Sanitätskomponente als integralen Bestandteil und Erfolgsgarant der Bundeswehrdelegation wider. Leider konnten 100 Prozent Erfüller-Quote für die 58. Offizielle Bundeswehrdelegation nicht ganz erreicht werden – mit 99,3 % ist man aber schon ganz nah dran.  Das Ziel für nächstes Jahr ist damit erneut gesteckt.

Nijmegen-Sanis – Erfahrungen in Grenzbereichen

Das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg stellte zusammen mit dem Kommando Regionale Sanitätsunterstützung (Kdo RegSanUstg) den Großteil des Personals. Neben den beiden Ärzten Oberstabsärztin (OSA) Dr. Sandra Dühr und Oberstabsarzt Dr. Xxx Becker, nahmen zudem drei Physiotherapeuten und eine Rettungsassistentin als Rastplatzführerin teil. Zusätzlich zur personellen Unterstützung griff das Bundeswehrkrankenhaus dem Sanitätsteam der Delegation auch materiell stark unter die Arme. Die krankenhausinterne Apotheke stellte die Versorgung mit Medikamenten und anderen Verbrauchsgütern sicher. Das galt sowohl für die Vorbereitungsmärsche als auch für den Nijmegenmarsch.

„Wir unterstützen den Nijmegenmarsch personell und materiell, weil wir während der Vorbereitungen und Durchführung unsere Leistungs- und Teamfähigkeit unter realen Bedingungen im Feld abbilden können.  Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, wie belastbar die Teilnehmer am Nijmegenmarsch sind. Ein Freude und eine Bestätigung zugleich ist es, dass die Angehörigen des zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr ihr Können nachhaltig unter Beweis stellen konnten und dies auch anerkannt und gewürdigt wurde. Es erfüllt mich mit auch ein wenig mit Stolz, dass alle am Nijmwegen beteiligten Soldaten und Soldatinnen, sei es als Marschierer oder als Unterstützer,  dies freiwillig auf sich genommen und somit soldatische Tugenden vorgelebt haben“, so Generalarzt Dr. med. Hoitz, Chefarzt Bundeswehrkrankenhaus Hamburg.